WAZ diskreditiert Oktoberrevolution 1917

Am Samstag den 4.11. brachte die überregionale Ausgabe der WAZ einen fast einseitigen Artikel mit der Überschrift "Der Mythos vom 'Großen Oktober' ". Im Stil der bürgerlichen Antikommunisten werden eine ganze Menge Lügen, Halbwahrheiten und vor allem Verschweigungen verstreut. So soll Stimmung gegen eine sozialistische Alternative entwickelt werden. Achim Czylwick hat einen Leserbrief dazu verfasst den wir hier in voller Länge veröffentlichen. Hier der Leserbrief:

Achim Czylwick, Witten, 04.11.2017

Leserbrief zum Zum WAZ Artikel „Der Mythos vom „Großen Oktober“

Wieso Mythos ?

Heute ist die Welt wieder voller großer Unruhen. Viele Menschen sind in Sorge um die Zukunft - das nicht nur wegen der offenen Kriegsdrohung von US Präsident Trump. Gerade deswegen ist die Oktoberrevolution von vor 100 Jahren so aktuell. Wäre sie nur eine Mythos, dann gäbe es keinen Grund, sie derart zu diskreditieren, wie das dieser Artikel versucht. Sendet sie doch immer noch das Signal: die Ausgebeuteten und Unterdrückten dieser Welt können sich befreien.

Die Revolution selbst hatte tatsächlich sehr wenig Opfer. Es war der anschließende Bürgerkrieg, angezettelt von 14 Interventionsmächten und den alten Machthabern – genannt die Weißen – mit dem Ziel, den sozialistischen Aufbau zu zerstören. Diese Konterrevolution ist für die 3 Millionen Toten verantwortlich, die der fast fünf Jahre währende Bürgerkrieg kostete. Der Sozialismus siegte, weil die große Masse der russischen Bevölkerung kein Zurück zu den alten Zuständen wollte. Die Bolschewisten hatten die Mehrheit hinter sich. Sie setzen das Ende des I. Weltkriegs auf Seiten Russlands durch und nahmen dafür Gebietsverluste in Kauf. Das Land der Großgrundbesitzer wurde unmittelbar an die Bauern verteilt. Weitere fundamentalen Gesetze waren: Dekrete zur Trennung von Kirche und Staat, zur Einführung des 8-Stunden-Tags, zum Verbot von Kinderarbeit, zur Gleichstellung von Männern und Frauen, zum Mutterschutz, zur Aufhebung der Verbote von Schwangerschaftsunterbrechungen und Homosexualität, zum Verbot häuslicher Gewalt auch gegen Kinder. In der Praxis zeigte sich für die Menschen, dass der Kommunismus eine Freiheitsideologie ist.

Lenin hat in vielen Schriften und Artikeln schon weit vor der Revolution immer die revolutionären Ziele dargestellt, das kann jeder nachlesen. Zu behaupten, wie im Artikel, er habe sie verschwiegen, ist ein Witz. Auch angesichts der Tatsache, dass die Zeitungen des Zaren und des Bürgertums gegen die Bolschewisten hetzten und die Diktatur des Proletariats verteufelten. Der Sozialismus wurde aufgebaut, das Leben verbesserte sich unter der Alleinherrschaft der Arbeiterklasse – einer Herrschaft der Mehrheit über die Minderheit. Genau das war für Millionen das Kriterium der Wahrheit und festigte den Sozialismus. Ohne den industriellen Aufbau und den festen Rückhalt unter den Menschen wäre die Sowjetunion nicht in der Lage gewesen, den Hitlerfaschismus zu besiegen und Europa die Freiheit zu bringen. Von diesen Leistungen ist keine Rede, vielmehr wird alles als Terrorherrschaft verunglimpft. Das war es zu keinem Zeitpunkt. Dass der Aufbau einer historisch neuen Gesellschaft, die es so noch nie gegeben hat, gewaltige Herausforderungen darstellt, ist klar. So etwas geht nicht ohne Irrungen und Wirrungen, hier muss viel gelernt werden. Genau so klar ist aber auch, dass die kapitalistische Welt diesen Erfolg des Sozialismus nicht wollte und alles tat, die Sowjetunion zu unterminieren.

Was wir daher brauchen, ist eine sachliche Diskussion über die Leistungen des sozialistischen Aufbaus, wie über Fehler, deren Ursachen und Verantwortlichkeiten - auch für Verbrechen. Es waren vor allem Bürokraten in der Partei-, Staats- und Wirtschaftsführung, die von innen heraus den Sozialismus zerstörten und den Kapitalismus restaurierten. Das ist ihnen, ausgehend vom XX. Parteitag der KPdSU 1956, gelungen - auch wenn zur Täuschung der Massen am Firmenschild Sozialmus noch bis in die 1990er Jahre festgehalten wurde. Deren Verbrechen und Verrat kann nicht dem Sozialismus oder Stalin in die Schuhe geschoben werden. Dafür gibt es keine Beweise, die Archive sind bis heute geschlossen. Selbst ein einfaches Amtsgerichtsverfahren geht da fairer zu Werke, weil es auch Zeugen der Verteidigung zulässt. Die sind hier offenbar nicht erwünscht.

Das einzige, was mir an dem Artikel gefällt, ist sein Schluss. Die Feststellung, dass revolutionäre Situationen entstehen, wenn „die oben nicht mehr können und die unten nicht wehr wollen“. Denn damit heben die Autoren nicht nur ihre These vom Mythos der Revolution auf. Sie spüren offenbar, dass eine revolutionäre Situation wieder kommen kann. Angesichts der heutigen Weltlage, dem Hunger, den Kriegen, der drohenden Umweltkatastrophe, die Millionen Menschen zur Flucht zwingen, reift eine revolutionäre Weltkrise heran. Die Oktoberrevolution lebt, sie ist alles andere als ein Mythos.

 

MLPD Ennepe-Ruhr
  • Kontakt über:
  • Heinz Vöhringer
  • Voedestrasse 32
  • 58455 Witten
  • Tel.: 02302/1691458
  • e-mail: witten@mlpd.de

  • Jakobus Fröhlich
  • Königsteiner Strasse 18b
  • 45529 Hattingen
  • Tel.: 02324/53139