1. September Antikriegstag 2020: Neue Friedensbewegung hat sich gestärkt

In vielen Ländern der Welt wurde der gestrige 1. September, der Jahrestag des Beginns des II. Weltkriegs, als Antikriegstag sowie als Kampftag gegen Faschismus und Krieg begangen. Dazu ruft die revolutionäre Weltorganisation ICOR seit ihrer Gründung im Jahr 2016 auf.

Der diesjährige Antikriegstag stand im Zeichen einer wachsenden allgemeinen Kriegsgefahr. Allein im letzten Jahr gab es 389 Kriege in verschiedenen Regionen der Welt.

 Die Parteivorsitzende der MLPD, Gabi Fechtner, betonte in Essen in ihrem Beitrag, dass wir seit Jahrzehnten noch nie so sehr der Gefahr eines neuen Weltkriegs ausgesetzt waren und eine intensive Überzeugungsarbeit geleistet werden muss, damit die Friedensbewegung deutlich stärker wird und sich gegen alle imperialistischen Mächte richtet. Das war an verschiedenen Orten durchaus umstritten, wo einzelne Kräfte aus der bisherigen Friedensbewegung die neuimperialistischen Mächte Russland und China allen Ernstes zu "Friedenskräften" verklärten.

Kämpferische Prägung durch MLPD und Internationalistisches Bündnis

Allerdings stärkte sich vor allem die neue Friedensbewegung in Deutschland. Der Gradmesser dafür ist, wie konsequent tatsächlich alle imperialistischen Mächte bekämpft werden. An vielen Orten hatten die MLPD oder das Internationalistische Bündnis die Initiative ergriffen. Sie prägten die Aktionen kämpferisch oder beteiligten sich an Aktivitäten örtlicher Bündnisse beziehungsweise des DGB.

 Teilweise war die Teilnehmerzahl größer als letztes Jahr, aber auch die Breite der Zusammenarbeit. An manchen Orten hatten Aktionen schon am Wochenende oder in Verbindung mit der Montagsdemonstration stattgefunden, teilweise sind sie noch nachträglich geplant.

Breites kämpferisches Bündnis in Berlin

Auf dem mit Tausenden Passanten voll belebten Hermannplatz in Berlin-Neukölln kamen etwa 70 feste Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Kundgebung von MLPD, Internationalistischem Bündnis, Feministischer Partei - die Frauen, Solidarität International, Trost-Frauen aus Korea, Frauenverband Courage, Umweltgewerkschaft und Montagsdemo. Ein Siemens-Kollege hielt eine Ansprache und die Nümmesband trug kämpferische Lieder vor. In Hamburg beteiligten sich an der Demonstration 400 Menschen, in Frankfurt/Main und Stuttgart je 300.

 Vertreten waren an vielen Orten neben Gewerkschaftern und Delegationen aus Industriebetrieben auch Vertreter von Migrantenorganisationen, Christen und Antifaschisten, Aktivisten der Friedensbewegung, Mitglieder von MLPD, REBELL, DKP und Linkspartei.

Solidarität mit dem Kampf der Massen in Belarus

Imperialistische Kriege wie in Syrien oder im Jemen standen genauso in der Kritik wie weitere Brennpunkte der Kriegsvorbereitung, etwa zwischen der Türkei und Griechenland. Unverhohlen drohte der türkische Staatspräsident Erdogan in den letzten Tagen, dass er bereit sei, „Soldaten zu opfern“.

 Angegriffen wurden aber auch die verstärkte - unter anderem atomare - Aufrüstung, der steigende Waffenhandel sowie die Auslandseinsätze der Bundeswehr unter der verlogenen Flagge von „Friedensmissionen“. Auch dass imperialistische Kriege Fluchtursache Nummer 1 sind und die EU die Flüchtenden dann im Mittelmeer ertrinken lässt.

 Bei der Kundgebung vor der Ruhr-Uni in Bochum kritisierten eine Studentin und eine Mitarbeiterin, dass an der Uni mehrere hundert Millionen Euro Forschungsgelder vom Militär im Auftrag gegeben sind. In Gelsenkirchen wurden 220 Euro an Spenden für die streikenden Bergleute in Belarus gesammelt.

Erinnerung an Vorkämpferinnen für Frieden und Sozialismus

Der Frauenverband Courage erinnerte in Tübingen mit einer Rede und großen Bildern an acht Frauen, die für Frieden und gegen imperialistische Kriege kämpften, wie Rosa Luxemburg.

 Auch die ROTFÜCHSE waren aktiv in verschiedenen Orten. In Bochum malten sie Parolen gegen den Krieg auf die Straße – schließlich geht es vor allem um ihre Zukunft. Eine Kollegin aus einem Essener Großbetrieb und ein Azubi aus der Lehrwerkstatt von Opel Rüsselsheim kritisierten die verstärkte Werbung von Bundeswehr und Polizei als scheinbaren Ausweg aus Arbeitslosigkeit und unsicherer Zukunft.

 Die Bewegung "Gib Antikommunismus keine Chance!" wurde vorgestellt und zahlreiche Unterschriften dafür wurden gesammelt. Viele kannten die Bewegung noch nicht und begrüßten, dass die Diskussion offensiv geführt wird.

Diskussionen um die Perspektive

Überhaupt war das Interesse groß, grundsätzliche Auseinandersetzungen zu führen. Trotz teilweise inhaltlicher Differenzen sprachen sich viele für eine engere Zusammenarbeit aus. Es gab auch etliche Kontaktwünsche für MLPD, REBELL und das Internationalistische Bündnis. Viele unterschrieben die Wahlzulassungsformulare der Internationalistischen Liste/MLPD.

 Während Vertreter von DGB, der Linkspartei und pazifistische Kräfte Illusionen in die Bundesregierung und EU verbreiteten, vertraten Redner des Internationalistischen Bündnisses und der MLPD, dass man dem Übel an die Wurzel gehen und den Imperialismus revolutionär überwinden muss.