Krisenmanagement in Kitas und Schulen „Maske auf und durch!“

Die Schulminister behaupten wieder und wieder, Kinder und Jugendliche seien in Kitas und Schule von Covid-19 so gut wie nicht gefährdet. Bundesfamilienminsterin Franziska Giffey (SPD) gibt sich besonders sicher: Die neue „Corona-Kita-Studie“ beweise das jetzt sogar. Denn unter 12.000 untersuchten Kitas hätten höchstens 1 Prozent einen tatsächlichen Infektionsfall gehabt.¹ Deshalb soll der „Regelbetrieb“ in Kitas – und analog in Schulen – trotz steigender Infektionszahlen im Grunde wie nach den Sommerferien fortgesetzt werden.

Die so selbstsichere Berlinerin Giffey könnte immerhin mitbekommen haben, dass in ihrer Stadt derzeit die Corona-Fälle auch in Kitas zunehmen. Derzeit sind laut Berliner Morgenpost 27 Einrichtungen und 33 Gruppen geschlossen.² Und als Bundesfamilienministerin dürfte sie auch das neue Strategiepapier des Robert-Koch-Instituts kennen. Darin heißt es: Das Risiko von Corona-Erkrankungen und -Übertragungen steigt in der Kindheit mit dem Alter und gleicht sich zwischen dreizehn und 15 Jahren dem von Erwachsenen an. Mit steigenden Infektionszahlen würden wohl auch mehr Infektionen in die Einrichtungen hinein getragen.³ Dass Kinder an Corona meist nicht so schwer erkranken, heißt nicht, das sie kaum eine Rolle als Überträger des Virus spielen. Eine neue Studie in Indien an 575.000 Menschen zeigt: “Kinder sind sehr effiziente Überträger, was sich in früheren Studien nicht so gezeigt hat”, sagte Studienautor Ramanan Laxminarayan von der Princeton University.⁴

Die Schulminister klammern den Beginn einer zweiten Welle der Pandemie einfach aus. Sie spielen - mit Verweis auf eine bisher einigermaßen kontrollierte Entwicklung der Pandemie in Schulen und Kitas - die Gefahr in und aus Schulen/Kitas völlig verantwortungslos herunter. Es heißt weiter: „Maske auf und durch!“ Die nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sieht sich zu weitergehenden Gesundheitsschutz-Maßnahmen außerstande. Da bringt ihr Rat, dass sich Schüler beim Lüften im Zwiebellook anziehen sollen, Eltern, Lehrer, Schüler regelrecht auf die Palme! In der Gesellschaft werden angesichts anschwellender Corona-Zahlen gerade Schutzmaßnahmen teilweise verschärft. In Schulen und Kitas soll weiterhin „auf Sicht“ gefahren werden.


Die Forderungen, die MLPD und REBELL schon zu Beginn der Pandemie in ihrem Programm „Für Gesundheitsschutz, Bildung, Zukunftsperspektive!“ erhoben haben, erweisen sich immer deutlicher als richtig: Kleine beständige Lerngruppen von max. zehn Schülern; Schichtunterricht; Einstellung von weiteren Lehrern und geeigneten Kräften wie Lehramtsstudierenden; Lehrer müssen Zeit haben, zusätzliche Hausaufgaben und Online-Unterricht anzuleiten und für persönlichen Kontakt zu Kindern und Eltern; Erhöhung des ALG II-Satzes und des Kindergeldes für Essen und Bildung.