Leserbrief zum WAZ- Artikel „Evonik schließt …“ vom 19.06.2026

Evonik will 3.200 Stellen streichen, fast zehn Prozent davon in Witten. Verkauft wird das als „Sparkurs“. Doch es geht hier nicht ums Sparen – es geht um die Steigerung der Profite auf Kosten der Beschäftigten. Das Werk in Witten wird geschlossen, weil es die Renditeerwartungen des Konzerns nicht erfüllt.

Die oft beschworene „belebende Konkurrenz“ zeigt in der Realität ihr wahres Gesicht: Im Kapitalismus bedeutet Konkurrenzkampf vor allem Rationalisierung, Arbeitsplatzabbau und steigenden Druck auf die Belegschaften. Im Kapitalismus geht es nicht um Lebensqualität oder sichere Arbeit für uns. Solche Märchen sollen nur eins verdecken: Die maximale Verwertung unserer Arbeitskraft zur Steigerung der Profite.

Auch die Hoffnung auf „Sozialverträglichkeit“ erweist sich immer wieder als Illusion. Die Kolleginnen und Kollegen von HPC in Witten haben erfahren, wie wenig solche Versprechen wert sind. Sie werden jetzt abgespeist mit wenigen Monatsgehältern, weil ihr Streik gegen diese Politik, die Insolvenz auf ihren Rücken abzuwickeln, zu spät kam. Wo liegt da die Perspektive für die Jugend?

Für die Beschäftigten von Evonik in Witten sollte das eine klare Lehre sein: Hoffnungen auf „Sozialverträglichkeit“ raubt uns die Kraft zum aktiven Widerstand.

Gleichzeitig bereiten Monopole wie Evonik weitere Angriffe mit Hilfe der Regierung vor – längere Arbeitszeiten, späterer Renteneintritt und Kürzungen sozialer Leistungen. Alles nur um die Gewinne noch weiter zu steigern. Darum hat der Kapitalismus auch keine Perspektive.

Darum kann es nur eine Antwort geben: Diese Politik lässt sich nicht durch Appelle stoppen, sondern nur durch konsequenten gemeinsamen Widerstand – auch mit Streiks. Wir Beschäftigten müssen mit unser Kampfkraft in die Gegenoffensive kommen, erst dann werden wir sehen, was zu erreichen ist.

Achim Czylwick

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