Solidarität mit den Kolleginnen und Kollegen von HPC
Leserbrief zum Artikel vom 13.01.26 „Traditionsunternehmen HPC meldet Insolvenz an“
Dass die Insolvenz bei HPC unvermeidbar wäre, weil die Autoindustrie keine Präzisionsscharniere bestellt, ist meiner Meinung nach nur vorgeschoben. Der Eigentümer des Werks in Witten, die Mutares SE & Co. KGaA ist an der Börse notiert. Ihr Geschäftsmodell beruht darauf, ertragsschwache oder defizitäre mittelständische Unternehmen mit zwei Zielen aufzukaufen: Sie entweder zu sanieren, um sie teuer weiter zu verkaufen. Oder - und das ist die jetzt verfolgte Variante - solange es geht, Erlöse aus den Firmen abzuziehen und sie dann in Insolvenz zu treiben. Im Kapitalismus ein übliches Verfahren von Finanzinvestoren zum Wohle der Aktionäre und auf Kosten der Beschäftigten. Gegen diese kapitalistischen Machenschaften hätten die Beschäftigen in den Streik treten können, statt zu hoffen. Mutares wollte nie Sanierung und hat deswegen auch keinen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Doch eines ist weiterhin klar: Solange produziert wird, ist der konsequente Kampf um jeden Arbeitsplatz eine Option.
Achim Czylwick
Leserbrief zum Artikel vom 17.01.26 „HPC-Hoffungen ruhen auf Insolvenzverwalter“
Die Belegschaft des von Mutares kontrollierten Unternehmens steht aktuell vor der Zumutung, nach einer Phase massiver Enttäuschungen nun ausgerechnet auf das „Verhandlungsgeschick“ im Insolvenzverfahren vertrauen zu sollen. In dieser Konstellation wird die Belegschaft zur stummen Zuschauerin eines Prozesses, in dem über ihre Einkommen und ihre Zukunft entschieden wird. Wer die Beschäftigten in die Rolle des Kaninchens drängt, das darauf hoffen soll, dass die Schlange Insolvenz schon nicht zubeißt, betreibt Augenwischerei. Dabei ist völlig klar: Ein neuer „Investor“ ist kein Wohltäter, sondern ein Kapitalist, der nur einsteigt, wenn sich aus der Situation richtig Profit schlagen lässt. Die Logik ist brutal einfach: Der Kapitalismus funktioniert durch Ausbeutung, nicht durch Rücksichtnahme. Wer hier von „Chancen der Sanierung“ spricht, ohne gleichzeitig von klaren, kollektiven Gegenforderungen der Belegschaft zu sprechen, verschleiert, dass jede Sanierung auf dem Rücken der Beschäftigten stattfinden wird. Gerade deshalb darf die Devise nicht „Hauptsache Arbeit um jeden Preis“ heißen. Das ist keine Alternative zur Insolvenz. Sicherung der Standorte, verbindliche Zusagen zu Löhnen und Arbeitszeiten und öffentliche Transparenz über die Pläne jedes potenziellen Nachfolgeinvestors sind gefragt. Nicht Hoffnung, sondern Organisierung; nicht Bitten, sondern Druck – nur so kann verhindert werden, dass erneut über die Köpfe derjenigen hinweg entschieden wird, die den Wert dieses Unternehmens überhaupt erst schaffen.
Achim Czylwick
