Stahl: Arbeitsplatzvernichtung bei Thyssenkrupp unter dem Deckmantel von Corona

Thyssenkrupp steckt tief in der Krise, der Vorstand will den Konzern zerschlagen und den Stahlbereich weiter konzentrieren - auf dem Rücken der Arbeiterinnen und Arbeiter. In den Stahlbetrieben rumort es. Die Sorge um die Verbreitung des Coronavirus und die Kritik an der Menschenverachtung des Vorstands wachsen. Die Kolleginnen und Kollegen sollen munter weiter produzieren und werden nur unzureichend geschützt.
Stahl:  Arbeitsplatzvernichtung bei Thyssenkrupp unter dem Deckmantel von Corona

Gesehen auf der Stahlarbeiter-Kundgebung in Duisburg im Dezember letzten Jahres (rf-foto)

Der Konzern braucht im Moment jede Tonne. Jeder Streik gegen die Vernichtung der Arbeitsplätze und für die Einstellung der nicht notwendigen Produktion zum Schutz der Arbeiter würde ihn empfindlich treffen.

Unter dem Vorwand von "Corona-Maßnahmen" setzte der Vorstand in den Tarifverhandlungen das Ziel der Vernichtung von 3.000 Arbeitsplätzen im Stahlbereich von Thyssenkrupp (tkSE) durch sowie das Ziel der Stilllegung des Werks Hüttenheim und des Warmbandwerks in Bochum. Thyssenkrupp geht es nur um Maximalprofit, zu Lasten der Kollegen, ihrer Gesundheit und der Umwelt.

Dem stimmte die IG-Metall- und Betriebsratsführung ohne Kampf und über die Köpfe der Kollegen hinweg zu. Was Medizin für Thyssenkrupp ist, ist Gift für die Jugend, denn diese Arbeitsplätze sind dauerhaft weg.  Die Zustimmung erfolgte unter dem Vorwand, dass man in Corona-Zeiten nicht kämpfen könne. Kein Kollege wurde gefragt, und die IG-Metall-Führung hat ihre Mitglieder auch nicht darüber beraten und abstimmen lassen. Wo gibt es denn so was? Ein Kollege aus Duisburg: “Wenn wir in den Betrieben produzieren müssen, können wir auch kämpfen und die Anlagen stilllegen, um unsere Interessen durchzusetzen.“

Aus Angst vor einem Streik musste der Vorstand kleine Zugeständnisse machen. Es wurden höhere Abfindungen und ein 85-prozentiger Ausgleich für die Zeit bis zur Rente bei „freiwilligem“ Ausscheiden oder verbesserte Altersteilzeit vereinbart. Damit will Thyssenkrupp es den Kollegen schmackhaft machen, „freiwillig“ zu gehen. Im Tarifvertrag werden betriebsbedingte Kündigungen bis 2026 ausgeschlossen und vage Zusagen für den Umbau der Produktion gemacht.

Der Vorstand kam mit seinem Angriff nicht durch, dass die Belegschaft drei Jahre auf die 1.000 Euro Urlaubsgeld verzichtet. Lediglich in diesem Jahr wird es nicht ausgezahlt, sondern jeder bekommt fünf freie Tage. Zum Kurzarbeitergeld wurde vereinbart, dass es auf 80 Prozent des Nettolohns aufgestockt wird. Das sind jedoch lediglich die eingesparten Sozialversicherungsbeiträge. Die Kollegen fordern zu Recht einen hundertprozentigen Ausgleich!

Auch wenn die „Freiwilligkeit“ und „Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen“ viele Kolleginnen und Kollegen erstmal beruhigt, sind sie doch wütend, dass in dieser Situation einfach ein Abschluss für die nächsten Jahre gemacht wurde. Daraus müssen sie ihre Schlussfolgerungen ziehen. Um den Kampf um die Arbeiterinteressen konsequent zu führen, darf man auf die Profite keine Rücksicht nehmen. Solange wir produzieren, können wir auch streiken!

Nach außen spricht der Vorstand davon, dass die Gesundheit der Mitarbeiter für sie an oberster Stelle steht. Wichtig ist ihm aber die Produktion und der Maximalprofit. „Wir Arbeiter sind für die nur eine Nummer“, so ein Kollege. Er hatte gerade ein seit 2012 abgelaufenes Desinfektionstuch in der Größe eines Taschentuchs bekommen, um einen Leitstand mit zwei Arbeitsplätzen und eine Krankabine zu desinfizieren.  Zunehmend organisieren sich die Kollegen. In einem Kaltwalzwerk wurde begonnen, Unterschriften zu sammeln für einen sofortigen Produktionsstopp bei 100 Prozent Bezahlung, bezahlte Freistellung von Kollegen, die zur Risikogruppe zählen, und dafür, dass die IG Metall keine Verhandlungen über einen Tarifvertrag führt.

Im April soll die Produktion drastisch zurückgefahren werden, zwischen 20 und 80 Prozent Produktion fallen weg. Eine Feuerbeschichtungsanlage soll sieben Wochen stehen. Das gab es noch nie bei Thyssenkrupp. Der Grund für den Vorstand ist nicht der Schutz der Belegschaft. Es sind die wegbrechenden Aufträge aus der Autoindustrie. Spätestens ab Mai soll massiv Kurzarbeit gefahren werden. Wer weiß denn da, welche nächsten Angriffe des Vorstands kommen?

Gerade in Krisenzeiten brauchen die Arbeiter die Gewerkschaften als Kampforganisation und nicht als Abnicker! Deshalb ist eine kritische Diskussion in der Belegschaft notwendig. Der Kampf gegen die Vernichtung der Arbeitsplätze und die Werksschließungen muss selbständig geführt werden.

Die MLPD und ihre Betriebsgruppen stehen für den konsequenten Kampf für Arbeiterinteressen. Gegen die Abwälzung der Lasten der Weltwirtschafts- und Finanzkrise sowie der Corona-Krise auf den Rücken der Arbeiter und ihrer Familien!