Stahl: "Trotz Corona volle Produktion bis zuletzt - auf unserem Rücken!"

"Es ist schon Wahnsinn, was sich in den letzten Wochen auf der Hütte abspielt. Mit den Einschränkungen im öffentlichen Leben zur Durchbrechung der Infektionskette des Coronavirus werden grundlegende Rechte und Freiheiten von uns, Demonstrations- und Versammlungsfreiheit usw. beschnitten. Gleichzeitig darf ohne Einschränkungen weiter produziert werden", stellen Kollegen von ThyssenKrupp in der aktuellen Ausgabe der Zeitung von Kollegen für Kollegen "Stahlkocher" fest.
Stahl: "Trotz Corona volle Produktion bis zuletzt - auf unserem Rücken!"

ThyssenKrupp Duisburg-Bruckhausen (foto: Mennis - Von Crux am 20. Februar 2005 in die deutschsprachige Wikipedia geladen (CC BY-SA 3.0))

Weiter schreiben sie (Auszüge): "Viele aus den Büros wurden ins Home-Office und in Einzelbüros geschickt. Richtig so! In Produktion und Instandhaltung aber wird weitergemacht wie immer. Wir sollen einfach die Regeln einhalten, Händewaschen und Abstand halten, und am besten die Klappe halten , dann wird das Virus um uns Arbeiter einen Bogen machen. Dabei hatten wir wochenlang kein Desinfektionsmittel, keinen Mundschutz und keine Handschuhe ...

Für wie blöd halten die uns eigentlich? Tagtäglich müssen wir eng zusammenarbeiten. Noch nicht einmal die Kollegen aus der Risikogruppe werden freigestellt. Sie dürfen sich gnädigerweise Urlaub nehmen ... Ab April geht die Produktion rasant bergab, großflächig sind Stillstände angekündigt. Wir sollen unseren Urlaub und unsere Zeitkonten verbrauchen. Spätestens ab Mai wird massiv Kurzarbeit gefahren. Da holt sich ThyssenKrupp das Geld vom Arbeitsamt, und zwar auch die Sozialversicherungsbeiträge. Und die Allgemeinheit zahlt ...

Gerade jetzt, wo ThyssenKrupp auf jede einzelne Tonne angewiesen ist, können wir auch in Zeiten von Corona und Stillständen selbständig kämpfen.

  • Weg mit dem Verzichtstarifvertrag und der Vernichtung von 3000 Arbeitsplätzen. Wir brauchen die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich!
  • Sofortiger Produktionsstopp aller Anlagen bei voller Bezahlung! Ausnahmen sind die Produktion für Lebensmittel (wie Blech für Andernach) oder medizinische Geräte und natürlich die Notbelegschaft, die zum Erhalt der Anlagen notwendig ist!
  • Bezahlte Freistellung aller Kollegen, die zur Risikogruppe gehören!
  • Aufstockung des Kurzarbeitergelds durch ThyssenKrupp auf 100 Prozent!
  • Wiedereröffnung des Betriebskindergartens, um eine Notbetreuung der Kinder von Kollegen zu gewährleisten!
  • Durchsetzung der notwendigen Hygienemaßnahme: Masken, Handschuhe, Desinfektionsmittel für alle. Verkürzung der Reinigungsintervalle: Mindestens drei mal täglich: Toiletten, Pausenräume, Leitstände, zweistündliche Desinfektion von Türklinken, Lichtschaltern usw.
  • Versetzte Ablöse, Übergabe, Pausen und Duschzeiten für die Notbelegschaft."